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Der BITV-/WCAG-Test

Stand: Mai 2019

Seit Frühjahr 2017 gibt es die Möglichkeit, sich neben der BITV-Konformität auch Konformität gemäß der internationalen Richtlinien, der Web Content Accessibility Guidlines bestätigen zu lassen.

Warum ein WCAG-Test?

Standards benötigen Werkzeuge. Mit dem BITV-Test gibt es ein Prüfverfahren, das die Anforderungen der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) handhabbar und ihre Umsetzung überprüfbar macht. Der BITV-Test hat sich in Deutschland zu einem anerkannten Prüfverfahren entwickelt.

Akteure, die nicht der BITV unterliegen oder Unternehmen, die international tätig sind, orientieren sich eher an den W3C-Richtlinien, den WCAG. Und inzwischen verweist die neueste Version der BITV direkt auf die Europäische Norm hEN 301 549, und damit auf die dort referenzierten WCAG 2.1 als maßgeblichen Standard.

Auch die EU-Richtlinien zur Barrierefreiheit im Web verweisen auf diese Norm und damit auf WCAG 2.1. Zu nennen sind hier die EU-Richtlinie über den barrierefreien Zugang zu den Websites und mobilen Anwendungen öffentlicher Stellen, die EU-weit für Verwaltungen, Gerichte, Polizeistellen bis hin zu öffentlichen Krankenhäusern, Unis und Bibliotheken gilt, und der European Accessibility Act - Richtlinie 2019/882 vom 17. April 2019. Er verpflichtet auch privatwirtschaftliche Informationsanbieter stärker zu barrierefreien Umsetzungen gemäß WCAG.

BITV und WCAG

Die BITV ist die deutsche Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik, welche über die Europäische Norm 301 549 auf den technischen Standard WCAG 2.1 verweist. Über die WCAG hinaus verpflichtet die BITV öffentliche Stellen ebenfalls zur Bereitstellung von Versionen in leichter Sprache und Gebärdensprache und geht darin über die WCAG-Anforderungen auf Level AA hinaus. Dieser Aspekt wird zur Zeit im BITV-Test nicht geprüft und ist deshalb getrennt mit geeigneten Mitteln zu bewerten. Auch die Barrierefreiheit von eingebundenen Dokumenten (meist PDF) wird von der BITV (bzw. der EU-Richtlinie 2016/2102) verlangt, ist jedoch zur Zeit nicht Teil des BITV-Tests.

Ein gemeinsames Prüfverfahren: Der BITV-/WCAG-Test

Die Anforderungen für barrierefreie Webinhalte sind in den WCAG 2.1 als Erfolgskriterien formuliert. Diese Erfolgskriterien sind drei Konformitätsstufen zugeordnet (A, AA und AAA).

In der neuen BITV vom 21. Mai 2019 (die die Anforderungen der WCAG 2.1 aufnimmt, aber dennoch verwirrender Weise weiter BITV 2.0 heißt) gibt es nicht mehr eine Anlage 1 mit der Umsetzung der WCAG-Erfolgskriterien in BITV-Bedingungen. Stattdessen wird direkt auf harmonisierte Normen der EU verweisen (das ist für die Barrierefreiheit hEN 301 549). Die bisherige BITV-Bedingung 2.4.8 Standort, die in den WCAG auf Konformitätsstufe AAA steht (2.4.8 Location), ist enfallen. 12 neue Erfolgskriterien der WCAG 2.1 sind hinzugekommen. Der BITV-Test bildet diese als 12 neue Prüfschrtte ab.

Da die Anforderungen der BITV 2.1 inhaltlich denen der WCAG 2.1 entsprechen, gibt ein gemeinsames Prüfverfahren. Das heißt, beide Tests umfassen dieselben Prüfschritte und prüfen die Konformität auf Stufe WCAG AA.

Überarbeitung der Prüfschritte

Neben den 12 neuen Prüfschritten sind auch bestehenden Prüfschritte angepasst worden. Hinweise auf Werkzeuge wurden aktualisiert. Weitere Anpassungen werden laufend vorgenommen, damit die Prüfschritte den jeweils aktuellen Stand der Web-Technik widerspiegeln.

Die in den WCAG-Techniken formulierten "Tests" sind für die Entwicklung von Prüfschritten für den BITV-/WCAG-Test wie bisher Bezugspunkte. Der Test einer Technik greift jedoch nur, wenn diese auch eingesetzt wird. Andere Wege zur Erfüllung der Anforderungen werden ebenso akzeptiert.

Wichtig ist, die Prüfschritte des BITV-/WCAG-Tests testen die Erfüllung der Erfolgskriterien, nicht den Einsatz einer bestimmten Technik zu deren Erfüllung.

Überarbeitung der Beschreibung des Prüfverfahrens

Um WCAG-konform zu sein, müssen die 5 Konformitätsbedingungen, die in den WCAG definiert sind, erfüllt sein. Auch für den BITV gelten diese Konformitätsanforderungen. Sie sind der Beschreibung des Prüfverfahrens enthalten.

Ein Prüfverfahren - keine Punkte mehr

Da die WCAG hinsichtlich Konformität das Konzept erfüllt/nichterfüllt verfolgen, ist dies nun auch der Ansatz im WCAG-Test und im BITV-Test. Der bisherige Ansatz, die Bewertung über die geprüften Seiten hinweg zu einem Punkte-Gesamtergebnis zusammenzufassen, ist durch den direkten Bezug der BITV auf die WCAG und deren Konformitätsanforderungen nicht mehr möglich. 90plus- und 95plus-Siegel werden ersetzt durch die neuen Prüfzeichen "BIK BITV-konform" bzw. "BIK WCAG-konform". Wenn ein Angebot im abschließenden Test das volle Konformitätsziel verfehlt, kann es die Prüfzeichen "BIK BITV-Test Prüfbericht" "BIK WCAG-Test Prüfbericht" einsetzen - wer dem Link auf dem Prüfzeichen folgt, sieht dann gleich, welche Erfolgskriterien nicht erfüllt wurden.

Die Prüfung erfolgt im BITV- und WCAG-Test in gleicher Weise: Jeder Prüfschritt wird von den Prüfern mit einer von fünf Bewertungsalternativen (erfüllt, eher erfüllt, teilweise erfüllt, eher nicht erfüllt und nicht erfüllt) bewertet, im Ergebnis aber als konform oder nicht-konform ausgegeben. Alle mit "erfüllt" oder "eher erfüllt" bewerteten Prüfschritte werden als konform ausgegeben, der Rest als nicht konform. Die feinere Abstufung ist jedoch im Prüfreport für Entwickler sichtbar und hilft bei der Prioritätensetzung, was Korrekturen angeht.

BITV- bzw. WCAG-Konformität

Die Ergebnisdarstellung des WCAG-Tests zeigt für jede Seite, welche Erfolgskriterien erfüllt bzw. welche nicht erfüllt sind. Eine getestete Seite ist konform, wenn alle Erfolgskriterien erfüllt sind.

Die Konformität kann gemäß WCAG nur für einzelne Seiten definiert werden. Trotzdem soll es der Test ermöglichen, eine Aussage über den gesamten Webauftritt zu machen. Dies erfolgt, indem man eine repräsentative Seitenauswahl testet. Die Konformität dieser Seitenauswahl lässt auf die Zugänglichkeit des Auftritts schließen, auch wenn es kein Gesamtergebnis wie beim BITV-Test gibt.

Neu: Die Erklärung zu Barrierefreiheit

Die EU-Richtlinie 2016/2102 beziehungsweise der damit verbundene Durchführungsbeschluss 2018/1523 der Kommission sehen vor, dass öffentliche Webangebote eine "Erklärung zu Barrierefreiheit" als Teil ihres Angebotes veröffentlichen. Dort kann zukünftig auch das Prüfzeichen BIK BITV-konform bzw. BIK WCAG-konform eingebunden werden. Ein Link im Kopf- oder Fußbereich der Seiten soll auf die Erklärung zur Barrierefreiheit verweisen.