Wie man „assistive Technologien“ genau definiert, scheint weitgehend irrelevant zu sein, bis man auf ein WCAG-Erfolgskriterium (auch in der europäischen Norm verwendet) stößt, bei dem es von dieser Definition abhängt, ob die Anforderung überhaupt zur Anwendung kommt. Ich beziehe mich auf 1.4.4 Resize Text. Das Erfolgskriterium fordert, dass Text ohne assistive Technologie auf bis zu 200 Prozent vergrößert werden kann, und zwar ohne Verlust von Inhalten oder Funktionalität (meine Hervorhebung). Diese Anforderung, die für Webinhalte erstellt wurde, noch bevor es Browser-Zoom gab, ist auch in den Erfolgskriterien für Software enthalten.
Angesichts dieser Situation stellt sich die Frage, ob ins mobile Betriebssystem integrierte Funktionen unter assistive Technologien fallen. Einstellungen für Textgröße, vergrößertes Display, fettgedruckten Text oder Dunkelmodus finden sich als Standardeinstellungen für Nutzende, sie sind also nicht versteckt in den Bedienungshilfen-Einstellungen. Und Funktionen der Bedienungshilfen wie Screenreader, Zoom usw. werden bei jedem regelmäßigen Systemupdate automatisch mit aktualisiert. Diese integrierten Barrierefreiheitsfunktionen fungieren nicht als Benutzeragenten oder arbeiten „mit einem Benutzeragenten“ zusammen. Für native Apps gibt es keinen Benutzeragenten; die zugrunde liegende Plattform ist das mobile Betriebssystem.
Während Browser beim Zoomen der Seite nicht nur die Größe des Textes ändern, sondern üblicherweise auch einen Umbruch der Inhalte auslösen, gibt es in mobilen Apps selbst normalerweise keine Textvergrößerung. Mobile Browser unterstützen in der Regel das Vergrößern von Inhalten über eine zwei-Finger Pinzetten-Geste, native Apps jedoch meist nicht. Es gibt jedoch sowohl in Android als auch in iOS eine Zoomfunktion, die in den Bedienungshilfen aktiviert werden kann. Sie funktioniert auf etwas andere Weise, aber in beiden Betriebssystemen ist es möglich, jeden Inhalt auf dem Display auf 500 % zu vergrößern.
Ist dies eine ideale Erfahrung für sehbehinderte Nutzende, die großen Text brauchen? Definitiv nicht. Aufgrund der kleinen Bildschirmgröße des Smartphones wird gezoomter Text abgeschnitten, und das Lesen erfordert das dauernde Verschieben des sichtbaren Ausschnitts. Es funktioniert etwas besser, wenn das Gerät ins Querformat gedreht wird, weil dann mehr Platz für die Textzeile vorhanden ist. Dennoch ist die Erfahrung dem Textumbruch in einem mobilen Browser weit unterlegen.
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